Erfolgsstories

Im Ruhrgebiet gibt es eine Vielzahl junger Talente, die durch gezielte Förderung ihren Weg machen. Lerne sie kennen und bekomme Ideen für deine eigene berufliche Zukunft.

Gizem

Berufsziel: als Lehrerin Schüler fördern

Gizem ist mit 7 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gezogen. Nach nur sechs Monaten im Kindergarten ist sie dann direkt in die Grundschule gekommen.

Gizem ist mit 7 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gezogen. Nach nur sechs Monaten im Kindergarten ist sie dann direkt in die Grundschule gekommen. Sie wusste schon von klein auf: „Ich möchte später Lehrerin werden.“ Ihre Eltern, so sagt sie, hätten sie dabei immer unterstützt. Jetzt studiert sie Mathematik und Sport auf Lehramt an der Universität Duisburg-Essen.

Aufgewachsen ist Gizem in Gelsenkirchen. Nach der Grundschule hat sie eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen. Schnell hat sie aber gemerkt, dass sie sich dort nicht wohlfühlt – vor allem, weil sie sich weder von den Lehrern, noch von ihren Mitschülern wirklich ernst genommen fühlte. Heute sagt die Studentin: „Ich glaube, das lag an meinen Deutschkenntnissen, die waren zum Teil fehlerhaft.“ Gizem hat nie extra Sprachunterricht erhalten, sondern hat Deutsch im ganz normalen Alltag gelernt. Heute spricht sie die Sprache fehlerfrei.

Aber plötzlich passten auch die Noten nicht mehr. Mathe zum Beispiel war ihr Lieblingsfach in der Grundschule, nun hatte sie auf einmal eine fünf. Sie war verunsichert – eine starke Belastung für die junge Schülerin. Die Mutter suchte daher das Gespräch mit den Lehrern von Gizems alter Grundschule. Dann wechselte sie auf die Gesamtschule Horst in Gelsenkirchen. Auf der neuen Schule fühlte sich die Schülerin gleich am richtigen Platz. Dort absolvierte sie auch ihr Abitur in Deutsch, Kunst, Mathe und Philosophie.

Nach dem Wechsel machte ihr die Schule wieder Spaß. Sie mochte ihre Lehrer und nahm das vielfältige zusätzliche Angebot der Schule gerne an: Ob Erasmus oder das Angebot der Türkisch-Deutschen Studierenden und Akademiker Plattform – Gizem war bei allem dabei. Sie beherbergte Schüler beim Schüleraustausch, gab Grundschülern Nachhilfe und unternahm auch am Wochenende etwas mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen.

Über die Schule ist sie auch zu dem Projekt „Wer will, der kann – Isteyen yapar!“ gekommen. Ein Mentorenprojekt der TD-Plattform. In der ersten Sitzung sprachen die Schüler mit den Mentoren darüber, was sie über das Studium wissen. Die Jugendlichen erstellten ein Plakat mit allem, was sie mit einer Hochschule in Verbindung brachten: Professoren, Vorlesungen, Partys, keine Freizeit, Selbstständigkeit. Ein richtiges Uni-Erlebnis hatte sie dann bei dem Besuch an der Ruhr-Universität Bochum. „Im Hörsaal hat alles in mir geprickelt. Ich dachte nur ‚Hier musst du hin – du musst zur Uni.‘ Das hat mich dann auch nochmal extra in der Schule motiviert. Dieses Erlebnis ging nur durch die TD-Plattform“. Gizem hat das Programm zweimal als Schülerin mitgemacht – nun ist sie selbst Mentorin. Sie sagt heute: „Ich hatte ein Ziel, wollte immer studieren, aber der Weg dorthin war unklar. Durch das Projekt wurde er für mich sichtbar. Ich habe Unterstützung durch meine Mentoren erhalten, wir haben Lösungen bei Schwierigkeiten gefunden. Ich wurde mit meinen Ängsten und Sorgen bezüglich der Uni ernstgenommen und ich fühlte mich verstanden.“ Was ihr besonders gefiel, war die Menschlichkeit der Mentoren. Sie erzählen von ihrem eigenen, oft steinigen Weg und glauben an die Schüler und deren Fähigkeiten. Das macht Mut und ist eine tolle Wertschätzung. Sie weiß zu schätzen, dass die Mentoren ihre freie Zeit am Wochenende geben: „Die Schüler haben immer absolute Priorität.“

Der Wechsel auf die Uni war anfangs schwierig, es war eine große Umstellung. Aber auch hier wird sie von ihren Mentoren begleitet. Auf vieles war sie bereits theoretisch vorbereitet – vor allem durch die Gespräche mit den Mentoren. Mittlerweile läuft alles. „Manchmal muss man aber auch einfach durchhalten“, hat sie gelernt. Erfahrungen, die sie nun selbst als Mentorin weitergibt. Und diese Aufgabe gibt ihr viel zurück: Sie arbeitet mit Schülern, kann Erfahrungen für ihren späteren Beruf als Lehrerin sammeln. Etwas, das sie in der Uni so nicht bekommt. Die Kontakte, die sie über das Netzwerk knüpft, will sie später für ihre Schüler einsetzen. Als Lehrerin will sie nicht nur die Noten sehen, sondern auch die Menschen. Sie hat sich vorgenommen, die Jugendlichen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten. Und das am liebsten irgendwann als Schulleiterin. Warum sie so sehr für diesen Traum arbeitet? „Eine Schulleiterin mit Migrationshintergrund, die zudem noch Sportlehrerin ist – das gibt es nicht oft. Ich will ein Vorbild sein.“

Aber einen Schritt nach dem anderen. Jetzt heißt es erst mal: Bachelor-Arbeit schreiben, in der Uni viel zu lernen, viele Fragen zu stellen. Und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

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