Erfolgsstories

Im Ruhrgebiet gibt es eine Vielzahl junger Talente, die durch gezielte Förderung ihren Weg machen. Lerne sie kennen und bekomme Ideen für deine eigene berufliche Zukunft.

Hayat

Mütter unterstützen

In den Räumen der ZIB-Bildungsoffensive der kurbel in Oberhausen geht es lebhaft zu. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Besucher, darunter Kinder, Männer und Frauen, sind da. Viele verschiedene Menschen sind zu sehen, viele verschiedene Sprachen zu hören. Schnell wird deutlich: Ein Großteil der Frauen dort sind Mütter. Kein Wunder, denn die kurbel bietet ein besonderes Programm für die Qualifizierung von Müttern an. Hayat, Mutter von zwei Kindern, hat ihre Chance wahrgenommen und solch eine Qualifizierung durchlaufen. Nun ist sie „Interkulturelle Mediatorin im Bereich Gesundheit“. Dabei gibt sie ihr Wissen an Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiter. Ein ganz besonderes Anliegen ist ihr aber die Unterstützung von Müttern, die mit wenig Selbstvertrauen, dafür aber mit vielen Sorgen in Oberhausen und Umgebung leben.

Hayat ist 36 Jahre alt, in Marokko geboren und seit 2002 in Deutschland. Zunächst lebte sie in Düsseldorf, nach einiger Zeit ist sie nach Oberhausen gezogen. Die deutsche Sprache zu lernen war nicht einfach – Anschluss zu finden auch nicht. Ihre Freunde lebten in Düsseldorf, ihr Mann und ihre Kinder aber waren im Ruhrgebiet. Die meiste Zeit war sie mit ihren Kindern in der Wohnung. „Ich fühlte mich oft alleine“, sagt sie. Als Mutter eines Kleinkindes war sie oft allein zu Hause und hatte wenig Kontakte zu anderen Müttern.

Angefangen hat alles mit dem Projekt „Freiraum“, in dem Eltern und Kinder willkommen sind. Während die Kinder betreut werden, haben die Eltern die Möglichkeit, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Genau das, was Hayat vermisst hat. Sie erinnert sich noch gut an ihre ersten Aufenthalte in der kurbel: „Hier war alles familiär. Ich habe mich gleich angenommen gefühlt. Alle haben sich sofort miteinander unterhalten. Die Sorgen und Ängste waren ja bei allen ähnlich.“

Dort lernte sie Serap Tanis kennen, Leiterin des Zentrums und des Projekts „Qualifizierung zu Interkulturellen Mediatorinnen“. Sie überzeugte Hayat von diesem Angebot. Zweimal die Woche traf sich die Qualifizierungsgruppe. Sie hörte Vorträge von Experten, lernte das Bildungswesen kennen und die Möglichkeiten, die sie und ihre Familien in der Stadt haben. Die Experten erzählten von ihren Berufen – von einer Mitarbeit im Jugendamt bis hin zu Erste-Hilfe-Kursen. „Wir haben viel kennengelernt, das wie vorher nicht kannten. Dabei waren es aber auch nicht zu viele Informationen, die uns überfordert hätten. Es war genau die richtige Menge, um alles verarbeiten zu können. Irgendwann habe ich dann gedacht ‚Ich will mehr‘. Das lag vor allem an der Motivation, die wir dort bekommen haben. Wir wurden ernst genommen. Serap Tanis hat uns Mut gemacht.“, erzählt Hayat. „Ich dachte immer, als Mutter bin ich nicht flexibel genug, um zu arbeiten. Vor allem nicht mit den fehlenden Unterstützungsmöglichkeiten für Mütter mit Kleinkindern. In der kurbel wurden wir unterstützt. Es gab Qualifizierungsangebote für Mütter mit Kinderbetreuung. Dieses Betreuungsangebot öffnet jungen Müttern neue Türen. Die Kinder sind gut aufgehoben, nur wenige Räume weiter – und wir können lernen.“ Die Atmosphäre in der Gruppe beschreibt sie als familiär, es war ein starker Zusammenhalt da. Hayat wollte nicht eine Stunde verpassen.

Ein Jahr lang dauerte die Qualifizierung. Schritt für Schritt eigneten sich die Frauen neue Kenntnisse und Kompetenzen an. Hayat hat sich für den Gesundheitsbereich entschieden, hält nun selbst Vorträge, sorgt dafür, dass die Kinder aus dem Brücken-Kindergarten in Oberhausen gefördert sowie auf den Kindergarten vorbereitet werden und gemeinsam gesund frühstücken. Sie sagt, sie liebe ihre Arbeit: „Ich bekomme viel zurück, von Kindern und von den Müttern. Die Frauen zu betreuen und zu beraten, zu sehen, dass sie glücklich nach Hause gehen, macht mich selbst auch glücklich.“ Ihre eigenen Erfahrungen helfen ihr bei ihrer Arbeit „Ich war ja genauso, deshalb fühle ich mit. Deshalb weiß ich, was wo fehlt. Ich weiß, an welchen Stellen man Hilfe bekommt, ich kann die Frauen unterstützen. Da baut sich Vertrauen auf und das ist schön.“ Besonders freut sie sich aber, dass sie die Fortschritte der Frauen sehen kann. Dass sie immer mehr Selbstbewusstsein bekommen, Stärken entdecken, die Sprache lernen und sich immer mehr zutrauen – genau wie sie damals. Durch die Unterstützung der Menschen aus der kurbel ist sie nun selbst Unterstützerin geworden: „Das mache ich – und ich mache es gern.“ 

Mittlerweile wurde das Qualifizierungsprogramm weiter ausgebaut und heißt nun „MuT – Mütter und Talent“. Informationen zu dem Angebot gibt es online.

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