Das ist los im Ruhrgebiet

Im Ruhrgebiet ist ständig etwas los im Bildungsbereich. Informier dich über Messen, Ferienangebote und Workshops – es sicher auch etwas für dich dabei.

Home News Aktuelle News TalentCamp Ruhr: Pizza, Games ...

TalentCamp Ruhr: Pizza, Games und Lieblingsorte

Pizza, Games und Lieblingsorte – junge Talente entdecken ihr Revier

Die TalentMetropole Ruhr fördert mit neuem Feriencamp die Berufsorientierung von Schülern

 

Klappe! „Ton? Läuft!“ Peer sitzt locker auf dem Boden. „Kamera? Okay!“ Und dann erzählt Peer, warum sein Lieblingsort im Ruhrgebiet das Stadion des TV Wattenscheid ist. Nach wenigen Minuten ist die Szene im Kasten. Sie wird später in einem Imagefilm über das Ruhrgebiet zu sehen sein; gemacht nicht von PR-Profis, sondern von Neuntklässlern aus verschiedenen Schulen zwischen Duisburg und Dortmund.

Das Filmprojekt ist einer von vier Workshops beim TalentCamp Ruhr, das die TalentMetropole Ruhr (TMR) als Ferienaktion erstmals durchführt. „Der Spaßfaktor ist wichtig, aber es geht um mehr“, sagt Anna-Katharina Kadgien. Sie ist Projektmanagerin beim Initiativkreis Ruhr, der seine Bildungsaktivitäten unter dem Dach der TMR bündelt. Nämlich um Berufsorientierung. Jetzt, am Ende der Mittelstufe, stehen die Jugendlichen an einem wichtigen Wendepunkt ihres Lebens.

Für Tino steht der nächste Schritt fest. Trotz der ärgerlichen „Fünf“ in Latein will der 16-Jährige das Abitur machen. Und danach? „Entweder Lehrer oder ich gehe ins Gaming.“ Denn die Welt der Computerspiele, das ist seine. Deshalb ist der Schüler einer Gesamtschule in Duisburg-Meiderich in den IT-Workshop des Camps gegangen. Die Gruppe gestaltet ein Computer-Spiel mit dem Namen „Jump’n’Ruhr“, das ein bisschen an den berühmten „Super-Mario“ erinnert. Nur, dass die Hauptfiguren diesmal Symbolfiguren des Ruhrgebiets sind: ein Bergmann, ein Bierbrauer oder kleine Männchen in den Farben der Revierclubs Borussia Dortmund und Schalke 04.

Entworfen hat sie Tino. „Ich zeichne für mein Leben gern und bin richtig stolz, wenn ich sehe, wie sich meine Figuren auf dem Bildschirm bewegen.“ Seine künstlerische Begabung hat ihn in das Camp gebracht. „Wir wollen die versteckten Talente der Kinder und Jugendlichen fördern und ihnen Mut machen, zu ihren Begabungen zu stehen“, sagt Anna-Katharina Kadgien vom Initiativkreis Ruhr. Bei Tino ist offensichtlich, wie die künstlerische Ader und der Spaß an der digitalen Spielwelt ineinandergreifen.

Insgesamt 40 Jugendliche wurden auf Empfehlung ihrer Schulen ausgewählt. Nicht gute Noten waren ausschlaggebend, sondern Motivation und Engagement. „Ich mache in unserer Schule bei fast allen AG‘en mit“, sagt Tino. Er ist auch ein „Buddy“, der sich im Rahmen des gleichnamigen TMR-Projekts als Schülerpate um Fünftklässler kümmert.

„Ein bunter Haufen quer durch alle Schulformen und sozialen Schichten“, beschreibt Radoslaw Smilgin vom Bochumer Verein „Durchstarten“ die Gruppe. Er begleitet mit einem zwölfköpfigen Betreuerteam die Kinder zehn Tage lang. Egal ob Hauptschule oder Gymnasium, Dortmunder Norden oder Essener Süden: die Teilnehmer sollen lernen, miteinander auszukommen. „Und das funktionierte von Anfang an“, sagt Smilgin, was bei dieser Altersgruppe nicht selbstverständlich sei.

Auch Tino ist angetan. „Ich mache bei einem spannenden Projekt mit und habe viele neue Freunde gefunden“, sagt er und hat es dann eilig. „Ich muss für das Spiel noch das ‚Game-over‘-Schlussbild gestalten.“ Neben den Workshops besuchten die Jugendlichen ein Spaßbad und machten eine Klettertour – als Ausgleich zur intensiven Team-Arbeit. Das TalentCamp im Tagungsort Haus Heege in Gelsenkirchen ist für ihn und die anderen Kinder kostenlos. Geschlafen wird in der Jugendherberge, gegessen in der benachbarten Westfälischen Hochschule. Weitere Partner sind die BP Europe SE, die Deutsche BP Stiftung, die Stiftung „Schalke hilft!“ sowie das Akademische Förderungswerk (Bochum).

Die Designgruppe hat sich zum kleinen Gruppen-Meeting zurückgezogen. „Up-Cycling“ ist das Thema: aus Alt mach‘ Neu. Auf dem Boden liegen Kleidungsstücke, in den Regalen Farben und Scheren. Auf dem Tisch steht ein (ehemaliger) Globus, der zur Tischlampe umfunktioniert wurde. Was auf den ersten Blick etwas chaotisch aussieht, folgt einem festen Rahmen. Radoslaw Smilgin deutet auf eine beschriftete Tapete an der Wand. Es ist der Zeitplan, den sich die Gruppe bis zur Präsentation ihrer Arbeiten am Schlusstag gegeben hat. „Die Jugendlichen sind sehr gut strukturiert“, lobt Smilgin.

Das gilt auch für die vierte Gruppe, die sich fürs Kochen entschieden hat. Hier wird kulinarisch experimentiert. „Wir haben Sachen ausprobiert, die man sonst nicht macht“, sagt Jerome aus Castrop-Rauxel. „Pizza mit Gyros und Ananas schmeckt echt gut“, findet er. „Knoblauch-Pfannkuchen geht aber gar nicht.“ Tobias (16) aus Gelsenkirchen haben es vor allem die Brownies angetan. Die besten Rezepte kommen in ein Kochbuch mit eigenen Texten und Fotos. Und dann wollen sie die Teilnehmer der anderen Workshops mit ein paar kleinen Köstlichkeiten überraschen – bei der großen Schlusspräsentation der Gruppen-Ergebnisse in der „Arena auf Schalke“.

Derweil diskutiert die Filmgruppe den Stand ihres Projekts. Bei den Außendrehs lief nicht alles rund. Im Duisburger Landschaftspark Meiderich regnete es. Nina aus Essen hat am UNESCO-Weltkulturerbe Zollverein als ihrem „Lieblingsort“ gedreht. Der Workshop als Einstieg ins Film-Geschäft? „Warum nicht“, sagt die 15jährige, die schon in verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen als Komparsin mitgemacht hat.

Game-Figuren aus dem Revier, ein Imagefilm für die Region, Rezepte mit persönlicher Note: Durchstarten und die TMR appellieren mit der Auswahl der Themen beim TalentCamp sehr bewusst an das Selbstverständnis der Jugendlichen, ihr Bekenntnis zum Ruhrgebiet. Das kommt bei den Jugendlichen an. „Das Ruhrgebiet ist für mich wie eine große Stadt; ein Ort geht in den anderen über“, beschreibt Tino aus Duisburg sein Empfinden.

Auch Radoslaw Smilgin sieht einen starken Bezug der Kinder zu ihrer Heimat und glaubt, dass die meisten von ihnen später im Ruhrgebiet leben und arbeiten wollen. Um diese Bindung zu stärken, werden die Jugendlichen auch nach Abschluss des TalentCamps weiter betreut. „Bei den Nachfolgetreffen geht es um die persönliche Orientierung und Berufswahl“, so Camp-Chef Radoslaw Smilgin.

Talente wie Tino, Nina, Peer & Co. will die TMR weiter begleiten: durch persönliches Coaching, durch Kontakte zu Top-Managern von Initiativkreis-Mitgliedern  oder durch Förderprogramme wie das geplante Stipendienprogramm „Ruhr-Talente“.


Tino denkt mit 16 noch nicht ans Weggehen. Der Süden falle komplett aus, sagt er. „Zu heiß!“ Nur in einem anderen Land würde er – zumindest vorübergehend – gerne leben: „Schweden – wegen der Ruhe dort!“

Made with im Ruhrgebiet by Wert Eins