Cendrim – Über Umwege zum Traumjob

Er hat schon in so einige Berufe hineingeschnuppert in seinem jungen Leben: Cendrim ist 20 Jahre alt und hat, nach Praktika im Einzelhandel, in einer Autowerkstatt und im Straßenbau, endlich seinen Traumjob gefunden. Im Mai beginnt er seine Ausbildung zum Altenpfleger im Gerhard-Kersting-Haus in Essen. „Ich mag es, den älteren Menschen etwas Gutes zu tun, nachdem sie in ihrem Leben viel geleistet haben. Außerdem braucht man als Altenpfleger Einfühlungsvermögen und muss hilfsbereit sein, und genau das sind meine Stärken“. Dass der junge Mann mit dem gewinnenden Lächeln heute so offen und selbstbewusst weiß, was er will, hat er dem JOBLINGE-Programm zu verdanken. Sein bisheriger Bildungsweg war alles andere als geradlinig. Nachdem er 2008 mit seiner Familie von Kassel nach Essen gezogen war, machte er seinen Hauptschulabschluss an der Wächtlerstraße. Im Anschluss folgte die Fachoberschulreife am Robert-Schmidt-Berufskolleg in Essen.
Danach hing er etwas in der Luft, entschied sich aber, sein Fachabitur am Berufskolleg Mitte Essen zu absolvieren. „Ehrlich gesagt wollte ich einfach nicht ohne Perspektive dastehen“, reflektiert er ehrlich und merkt an: „Der technische Schwerpunkt entsprach aber überhaupt nicht meinen Stärken.“

Schnell war klar, dass er das Fachabitur nicht schaffen würde. Sein Vater schlug ihm vor, eine Beratung beim JobCenter wahrzunehmen, um so gemeinsam einen neuen Weg für seine Zukunft zu finden. Dort wurde ihm von der Beraterin direkt das sechsmonatige JOBLINGE-Programm vorgeschlagen, das junge Erwachsene auf ihrem Weg in das Berufsleben unterstützt. Während einer gemeinnützigen Projektarbeit können die Teilnehmenden ihre Motivation unter Beweis stellen und sich ihren Platz bei JOBLINGE erarbeiten. Im Laufe dieser ersten drei Tage beeindruckte Cendrim mit seiner Willensstärke: Obwohl er sich im Vorfeld verletzt hatte und nur eingeschränkt bewegen konnte, strich er in einem Mülheimer Kindergarten Wände und nahm Reparaturen vor. Aufgrund dieses Einsatzes wurde er in das JOBLINGE-Programm aufgenommen und startete dort als 1.000 Jobling im Ruhrgebiet durch. Mithilfe des JOBLINGE-Teams und seines Mentors, der vor seinem Ruhestand im Jugendamt arbeitete, erkannte er sehr schnell, wo seine Stärken liegen und dass er eigentlich schon irgendwie wusste, wo es beruflich hingehen soll: „Altenpfleger ist ein Job mit Perspektive, man wird immer gebraucht“. Rückblickend sagt er: „Ich brauchte einfach einen kleinen Anstupser“. Dieser Anstupser endete manches Mal als gewaltiger Sprung über seinen eigenen Schatten: So lernte er bei den JOBLINGEN in einem Theaterworkshop mit anschließendem Auftritt im Essener Grillo-Theater, sich seinem Lampenfieber zu stellen und vor vielen Leuten etwas zu präsentieren.

Danach ging alles ganz schnell: Azubis in der Pflege sind bei dem gegenwärtigen Fachkräftemangel sehr gefragt. Nach einer Handvoll Bewerbungen wurde Cendrim zum Vorstellungsgespräch ins Gerhard-Kersting-Haus eingeladen und konnte nach einer erfolgreichen Hospitation seinen Ausbildungsvertrag unterschreiben. Im Moment wird er weiterhin bei den JOBLINGEN gefördert, denn die Unterstützung ist mehr als reine Berufsorientierung und –vermittlung. Cendrim besucht Kompetenztrainings in Mathematik und Deutsch und Workshops zu Themen wie Cybermobbing oder dem Aufsetzen einer Steuererklärung. Auch wenn er aufgrund seiner erfolgreichen Ausbildungsplatzsuche nicht das gesamte Programm durchlaufen muss, sieht er die Zeit bei den JOBLINGEN als sehr gute Vorbereitung auf das Leben: „Die Unterstützung von unterschiedlichen Seiten, sowohl von meinem Mentor als auch vom JOBLINGE Team, hat mir dabei geholfen, konsequent an meinem Ziel zu arbeiten. Die Vielfalt der unterschiedlichen Workshops hat mir besonders großen Spaß gemacht und ich konnte Einiges lernen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich meine Ausbildung erfolgreich abschließe und täglich dazu beitragen kann, dass die Bewohnerinnen und Bewohner eine gute und wertschätzende Zeit verbringen.“

Stand: Frühling 2019