Kim - Konsequent voran

 

Vielleicht verbindet der Eine oder Andere mit diesem Namen schon ein Gesicht. Kim Böhnisch dürfte denjenigen, die sich für die TalentMetropole Ruhr interessieren, bereits begegnet sein – wenn auch vielleicht nur in Form eines Statements oder eines Interviews. Kim war bei einer ganzen Reihe an Projekten der TalentMetropole dabei: Erst hat er das Sozialkompetenztraining kennengelernt, seinerzeit noch unter dem Namen Get Ready/buddY bekannt. Von dort wurde er weiterempfohlen für das TalentCamp Ruhr. Und schließlich engagierte er sich beim Projekt „wanderful“, dessen Initiator Lukas Wessel für sein Engagement mit dem TalentAward Ruhr geehrt wurde. Und wer stand an diesem Abend im November 2017 mit Wessel auf der Bühne? Natürlich Kim!

Noch heute kommt Kim Böhnisch ins Schwärmen, wenn er daran zurückdenkt. „Das hatte schon was von einer Oskar-Verleihung“, erzählt er über den Moment, als sich die Lichter auf die beiden richteten. Ganz klar also sein „Highlight“-Moment mit der TalentMetropole Ruhr. Deren Programme greifen übergangslos ineinander und holen damit Kinder und Jugendliche auf allen Stufen der Bildungskette ab. So wurde auch Kim ein gutes Stück weit begleitet und ihm „ein paar Türen geöffnet“, wie er sagt. Was er dabei fast wie nebenbei lernen und erfahren konnte, hat ihn geprägt. Heute geht er seinen Weg mit einer gelassenen und gleichzeitig humorvollen Art.

Auf eben diesem Weg legt er bald den nächsten großen Schritt zurück: In ein paar Wochen nämlich zieht der 19-Jährige in die erste eigene Wohnung. Fußläufig ist die nur fünf Minuten von seinem Elternhaus in Bochum entfernt. „Aber eben was Eigenes“, wie Kim es kurz und knapp auf den Punkt bringt. Ansonsten dreht sich sein Leben gerade vor allem um die Arbeit. Seit zwei Jahren macht Kim bei Elektro Spick in Herne eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Vier Tage die Woche arbeiten, einmal zum Berufskolleg – der lustige Kim Böhnisch ist also ganz angekommen im „Ernst des Lebens“. Raum für Hobbies oder ausschweifende Freizeitaktivitäten bleibt da kaum: „Ab und zu gehe ich schwimmen oder treffe mich mit Freunden. Aber ansonsten bin ich auf der Arbeit“, meint Kim dazu.
Seiner guten Laune tut das aber keinen Abbruch. „Eigentlich lache ich den ganzen Tag“, sagt der junge Mann von sich. Auf der Arbeit kommt seine Frohnatur gut an. „Wenn ich anfange zu lachen, dann lacht nach kurzer Zeit meistens das ganze Büro mit“, erzählt er. Was aber nicht heißen soll, dass die Arbeit nicht ernst genommen wird – im Gegenteil: Auf Kims Tisch landen viele unterschiedliche Aufgaben, denen er sich gewissenhaft widmet.

Kim ist froh, dass es mit der Ausbildung geklappt hat. Ganz einfach war es nicht, an die Stelle zu kommen – auf etwa 80 Bewerbungen hatte er zuvor Absagen erhalten. Doch dann erfolgte die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Aufgrund seines starken Willens konnte er die Geschäftsleitung schnell von sich überzeugen. Nicht einmal 20 Minuten nach dem Termin kam der Anruf mit der Zusage für den Ausbildungsplatz. 

Neben seiner Einsatzfreude macht ihn die Attitüde aus, niemals aufzugeben. Als „bewundernswerte Never-give-up-Einstellung“ bezeichnete es einst die Projektleiterin des TalentCamp Ruhr. Kim war für die Teilnahme an dem Camp vorgeschlagen worden, weil er sich beim Sozialkompetenztraining an seiner Bochumer Hauptschule hervorgetan und durch das Programm gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst und für andere. Und so kam Kim im Sommer 2017 zum TalentCamp Ruhr und mischte mit beim Workshop zu nachhaltiger Ernährung. „Ich habe gelernt, es geht auch ohne Fleisch“, erzählt er von den praktischen Erkenntnissen, die er dort gewonnen hat. Aus dem eigens aufgelegten Camp-Kochbuch probiert Kim gern auch heute noch ab und zu Gerichte aus. Seine Familie hat er so für „ein bis zweimal pro Woche fleischlos“ eingenommen – und das, obwohl sich zumindest Vater und Bruder das am Anfang so gar nicht hatten vorstellen können. 

Für den Moment ist Kim zufrieden mit sich und seinem Leben „Ich bin jung, wer weiß, was noch kommt“, sagt er aber auch. Auf die Frage, welche Ratschläge er anderen Jugendlichen mit auf den Weg geben würde, antwortet er: „Verliert nicht Eure Ziele aus den Augen, seid ehrgeizig, aber achtet trotzdem auf andere.“ Das hat ihn auch die TalentMetropole Ruhr gelehrt.

Stand: Juli 2020