Tim - Häufig reicht ein Impuls

Tim Richter, 17, zu Hause in Mülheim an der Ruhr. Seit 2019 Auszubildender als Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik bei RWW, Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft. Soweit die Fakten über einen jungen Lehrling. Für ihn scheint dabei der erste Part schier selbstverständlich zu sein, lebt Tim doch schon immer in Mülheim an der Ruhr; jedenfalls so lange er sich erinnern kann – er kennt es also nicht anders. Mit seiner Berufswahl und der Begeisterung für das, was er nun in seiner Ausbildung lernt, hat er sich dagegen selbst ein bisschen überrascht. „Diesen Job hatte ich vorher gar nicht auf dem Zettel“, stellt er fest. 
Tim Richter zählt also offenbar nicht zu jenen Menschen, denen immer schon klar ist, was sie später einmal machen wollen. Wozu er allerdings zählt, sind solche, die nicht mehr locker lassen, wenn sie einmal Lunte gerochen haben; und so will Tim es immer ganz genau wissen, wenn sein Interesse erst einmal geweckt ist. Dann verlangt es ihn nach Details, dann brennen ihm viele Fragen auf den Nägeln, und er geht dem nach, bis er seine Antworten hat. Diese Hartnäckigkeit hat sich schließlich auch beim Job ausgezahlt. Das – und ein bisschen Glück. Denn eigentlich wollte er ursprünglich gar nicht mitgehen zu der Veranstaltung, die den Stein ins Rollen brachte: die ElternAkademie Ruhr an seiner Schule im Hexbachtal im Jahr 2018. Hier hatten RWW mit seinen Auszubildenden das Unternehmen und den Beruf des Anlagenmechanikers präsentiert. „Das heißt ElternAkademie, deshalb habe ich meinen Eltern gesagt, geht ihr mal schön, ich komme nicht mit“, erzählt Tim heute. Es stimmt zwar, dass Eltern zur Zielgruppe der Veranstaltung gehören. Aber auch Schüler sind willkommen – und es kann sich für sie lohnen. So sahen das auch die Eltern von Tim. „Sie haben mich gezwungen, mitzugehen“, sagt er. Zum Glück, wie sich hinterher herausstellen sollte. Denn bei der ElternAkademie erfährt Tim zum ersten Mal, was den Beruf des Anlagenmechanikers ausmacht. Er hört so viele interessante Details, dass er Feuer fängt. Beim Imbiss nach der Präsentation nutzt er dann gleich die Möglichkeit, den Azubis Fragen zu stellen. Sein Interesse an der Firma und den Ausbildungsmöglichkeiten ist geweckt, restlos überzeugt ist er schließlich nach dem Tag der offenen Tür. „Dann habe ich mich beworben. Und zum Schluss hatte ich auch ein gutes Gefühl, dass es klappt.“ Besonders gefallen hat ihm dabei, dass die Ausbildungskoordinatorin Beate Bacevicius die Azubis während des letztlich doch aufregenden mehrstufigen Bewerbungsprozesses nie lange zappeln ließ: „Sie hat uns gesagt, dass sie immer zusieht, uns so schnell wie möglich Bescheid zu sagen, ob wir weiter gekommen sind.“ Und Tim hat sich in eben derart gut geschlagen, dass er im letzten Sommer einen Ausbildungsplatz ergattern konnte. Nun ist er Azubi im ersten Lehrjahr und gerade in der Werkstatt im Einsatz. Am Anfang war das anstrengend – war der Körper doch aus der Schule nur Sitzen gewöhnt. Aber inzwischen hat er sich den neuen Anforderungen angepasst, wacht morgens sogar schon vor dem Wecker auf. 
Und was ist noch anders als in der Schule? Dass jetzt alles viel ernster ist. „In der Schule habe ich manchmal Quatsch gemacht, wenn ich mit Aufgaben schnell fertig war oder mich unterfordert fühlte. Aber jetzt käme ich nicht auf die Idee.“ Und was gefällt ihm besonders? Natürlich, dass er immer Antworten bekommt. Zuletzt etwa verbrachte er eine 30 Minuten-Fahrt damit, einen Kollegen mit Fragen zu einem Problem zu löchern, das die beiden auf einer Baustelle lösen mussten. Und der Kollege hat ihm geduldig und ausführlich geantwortet – was natürlich so ganz in Tims Sinne war.
Wie wäre sein Weg wohl ohne den Besuch bei der ElternAkademie verlaufen? „Da hätte ich wahrscheinlich einen Bürojob – als Vermessungstechniker oder so.“ Aber eines weiß Tim ganz sicher: Er wäre dann nicht so zufrieden wie jetzt.

Stand: Sommer 2020