TalentAward Ruhr: PreisträgerInnen 2015

Dr. Ingo Tausendfreund, Lehrer Technische Berufliche Schule I, Bochum

Berufliche Stärken erkennen – Karrieren anstoßen

Naturwissenschaften können spannend sein – das versucht Dr. Ingo Tausendfreund, 43, seinen SchülerInnen an der Technischen Beruflichen Schule 1 der Stadt Bochum zu vermitteln. Sein Konzept: Möglichst viel Praxis in den Schulalltag bringen. Mit großem persönlichem Einsatz hat er aus einer Chemie-Arbeitsgemeinschaft ein als Schulprojekt angelegtes Unternehmen geformt. Die RuhrChemAlytic (RCA) bietet Privatpersonen, Institutionen und Unternehmen die Möglichkeit, Wasser- und Lebensmittelproben analysieren zu lassen. Ingo Tausendfreund leitet das Labor, ansonsten wird die RCA von SchülerInnen geführt. Dadurch vertiefen sie nicht nur ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse, sondern sie gewinnen auch soziale Kompetenz und betriebswirtschaftliches Wissen. Seit dem Start des Projekts 2009 haben mehr als 120 Jugendliche bei der RCA mitgearbeitet. Viele von ihnen haben sich danach für ein naturwissenschaftliches Studium entschieden.

Mira Stepec, Projektleitung Durchstarten e.V.

Brücken bauen zwischen Schulen und Betrieben

Jugendliche für konkrete Ausbildungsberufe begeistern und Kontakte zu Betrieben herstellen – das ist das Anliegen von Mira Stepec, 31. Im Rahmen einer Lehrtätigkeit an einer Schule in Duisburg hatte sie vor ein paar Jahren erlebt, wie schwierig es für junge Menschen ist, einen Berufswunsch zu entwickeln und den Sprung in einen Ausbildungsbetrieb zu schaffen. Der von Stepec 2013 in Bochum gegründete Verein Durchstarten e.V. bildet eine Schnittstelle zwischen Schule und Beruf. Er bietet an Haupt- und Gesamtschulen im Ruhrgebiet ein- und mehrtägige Workshops zur Berufsorientierung an. Dabei geben Profis aus der Gastronomie oder dem Friseurhandwerk SchülerInnen der neunten und zehnten Klasse Anleitungen zum Selbermachen, vermitteln Einblicke in die Berufswelt und stellen gegebenenfalls ein Empfehlungsschreiben aus. Künftig will der Verein auch Veranstaltungen zu anderen Handwerksberufen organisieren.

Felix Hagedorn, Studentischer Mitarbeiter climb gGmbH

Grundschüler motivieren – Lernfreude vermitteln

Felix Hagedorn hat 2014 sechs Wochen lang als Betreuer von Feriengruppen bei climb in Dortmund gearbeitet. Das Sozialunternehmen bietet Lernferien für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren an. Climb steht für „Clever lernen, immer motiviert bleiben“, und das Besondere ist ein stärkenorientiertes Lernen auf beiden Seiten, das heißt, Teilnehmer und Betreuer erfahren Motivation und entwickeln ihre Persönlichkeit weiter. Die Kinder sollen Spaß am Lernen haben und herausfinden, was sie gut können. Die Betreuer können Verantwortung übernehmen und Kompetenzen für das Berufsleben erwerben. Der 21-jährige Felix Hagedorn studiert Vollzeit Design an der Ruhrakademie Schwerte und hat neben den Freizeiten noch weitere drei Monate Teilzeit für climb gearbeitet. Climb-Lernferien gibt es in der Metropole Ruhr zurzeit in Dortmund, mehr Standorte sind geplant. Das Unternehmen, das sich aus kommunalen Mitteln, Stiftungsgeldern und Spenden finanziert, will Bildungserfolge auch für Kinder aus sozial benachteiligten Familien möglich machen.

Sabiha Cetinkaya, Projektleitung Türkisch-Deutsche Studierenden und Akademiker Plattform e.V.

Talente begleiten - fürs Studium begeistern

Sabiha Cetinkaya, 43, hat selbst erlebt, wie schwierig es sein kann, einen Hochschulabschluss zu schaffen, wenn man die Erste in der Familie ist, die eine akademische Ausbildung anstrebt. Als eine von mehreren Projektleiterinnen „Bildung“ der TD-Plattform, eines Zusammenschlusses von deutschen und türkischen Studierenden und Akademikern, ermutigt sie junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund aus hochschulfernen Familien im Ruhrgebiet, höhere Bildungsabschlüsse anzusteuern. „Wer will, der kann! – Isteyen yapar!“ heißt das Projekt. Zusammen mit anderen ehrenamtlich tätigen MentorInnen informiert sie SchülerInnen in Workshops zu Themen rund um Studium und Berufswahl. Mit Besuchen von Unternehmen und Universitäten baut Sabiha Cetinkaya, diplomierte Kauffrau und Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Dortmund, Ängste und Unsicherheiten ab. Die eigene Bildungskarriere sowie ihre interkulturelle Kompetenz machen es ihr leicht, Zugang zu jungen Menschen und deren Eltern zu finden.

Auszubildende der maxQ.-Schule für Logopädie, Dortmund

Sonderpreis: Sprachförderung junger Zuwanderer an Brennpunkten

Elf angehende Logopädinnen des maxQ Instituts für Logopädie in Dortmund wollten im vergangenen Jahr nicht tatenlos zusehen, wie Kinder von Zuwanderern ihre Schullaufbahn ohne Deutschkenntnisse beginnen. Sie gründeten das Projekt „Wir werden Deutschsprecher“. Unterstützt von zwei Lehrlogopäden förderten sie ehrenamtlich sechs Monate lang 25 Kinder von zwei Dortmunder Grundschulen. In dem wöchentlichen Unterricht ging es nicht nur darum, den Kindern Deutsch beizubringen. Die angehenden Logopädinnen leiteten die jungen ZuwandererInnen auch an, eigenständig eine neue Sprache zu entdecken. So wie Kinder üblicherweise ihre Muttersprache lernen. Nachdem der Kurs Logo 15 an der maxQ-Schule im Sommer seine Ausbildung abgeschlossen hat, wird der nächste Kurs das Integrations- und Förderprojekt fortsetzen. Die Nachfrage ist groß: Weitere Dortmunder Schulen möchten an der Initiative teilnehmen.

Stand: Herbst 2015

Ihr Ansprechpartner:
Bernd Kreuzinger

0201 8966-630